Das prägendste Artefakt dieser Zeit war für mich nicht der Sand oder die Souks, sondern ein technisches Gerät, das in den Büros der Macht stand: Das Reuters Monitor Terminal.
Für die Generation Z, die mit Retina-Displays und 120-Hz-OLEDs aufgewachsen ist, ist es schwer, die Faszination dieses Geräts zu beschreiben. Es war ein massiver Kasten, schwer, industriell, gebaut für die Ewigkeit. Der Bildschirm leuchtete nicht in 16 Millionen Farben. Er kannte nur eine Farbe: Grün.
Dieses „Green Screen“-Leuchten, erzeugt durch P1-Phosphor, hatte etwas Hypnotisches. Es war die Farbe des Geldes, die Farbe der Information. In einer Zeit ohne Internet war dieses Terminal die einzige Nabelschnur zur Weltwirtschaft.
Strategisches Nugget #1: Die Hardware als Burggraben (The Moat)
Aus heutiger Business-Sicht ist das Reuters-Terminal der 80er Jahre ein perfektes Beispiel für eine „Walled Garden“-Strategie. Reuters verkaufte nicht einfach Daten. Sie verkauften den Zugang. Man konnte die Finanzdaten nicht auf einem Commodore 64 oder einem frühen IBM PC abrufen. Man brauchte ihre Hardware. Das Terminal war der „Dongle“ für die Information.
Das System bestand aus einem proprietären Mini-Computer (PDP8), der bis zu 20 Leiterplatten enthielt. Es war so schwer, dass die Installation oft logistische Wunder erforderte. Aber genau diese Schwere, diese Physis, war Teil des Geschäftsmodells.
- Lesson: Wenn du die Infrastruktur kontrollierst, kontrollierst du den Markt. Reuters hatte einen Burggraben um sein Produkt gezogen, der aus Hardware bestand.
- Transfer auf 2025: MTV versuchte später ähnliches. Ihr „Terminal“ war der Kabelanschluss. Solange sie die exklusive Pipeline in die Wohnzimmer waren, konnten sie diktieren, was wir hören. Aber sobald die Infrastruktur „offen“ wurde (Internet), brach das Monopol. Die Lehre? Hardware-Monopole sind extrem profitabel, aber sie sind anfällig für technologische Substitution. Wer heute auf proprietäre Hardware setzt (denken wir an VR-Brillen oder geschlossene Smart-Home-Systeme), spielt dasselbe Spiel wie Reuters damals. Es funktioniert, bis es plötzlich eine Software-Lösung gibt, die auf jeder Hardware läuft.